SEITE 399                                                                 Jainismus gesamtes Kapitel Titel Inhalt vorige Seite gesamte Vorlesung                                     Sûtrakriga Sûtra

Es ist das Selbst, das  nicht auf (Aktivität) verzichten mag[1], das daran gewöhnt sein mag zu handeln, das an Fehlern haften mag, das anfällig zu Sünde sein mag, das von Grund aus unwissend sein mag, dass durchaus stur[2] sein kann, das nicht die Betätigungen[3] von Geist, Rede und Körper betrachten mag, das nicht Sünden vermeiden und verzichten mag.

Der Ehrwürdige Eine hat gesagt: Er (d.h. das Selbst) wird nicht kontrolliert, nicht ergeben, vermeidet und verzichtet nicht auf Sünden, ist aktiv, sorglos, anfällig für Sünde, von Grund aus unwissend, von Grund aus stur. Auch wenn ein Narr nicht die Betätigungen von seinem Geist, Rede und Körper berücksichtigt[4], noch sogar einen Traum nicht sieht[5]; begeht er immer noch Sünden[6]. (1)

Der Gegner sagt dem Lehrer: "Da kann keine Sünde sein, wenn (der Täter einer Handlung) nicht sündige Gedanken, Rede und Funktionen des Körpers verwendet, wenn er nicht tötet, wenn er kein inneres Organ hat[7], wenn er nicht die Beätigungen von Geist, Rede und Körper betrachtet, wenn er sogar einen Traum nicht sieht.[8]"

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[1] 'Mögen' ist zu übersetzen yâvi = kâpi. Dieses Wort wird hier verwendet, um anzuzeigen, dass das Gegenteil in anderen Fällen der Fall ist. Dieser Absatz betont die Gaina Lehre, daß das Selbst oder âtman die unmittelbare Ursache für alle Handlungen eines einzelnen Wesens ist, im Gegensatz zu den khya Philosophen, die die absolute Untätigkeit der Purusha aufrechthalten und den Bauddhas, die die Existenz eines separaten âtman ganz leugnen.

[2] Wörtlich, schlafend (sutta = supta)

[3] Wörtlich, Reden (vakka = vâkya)

[4] Wir müssten vielleicht übersetzen: wenn er sich nicht bewusst ist von, usw.

[5] D.h., wenn Bewußtsein schwächer ist als in einem Traum

[6] Die Lehre der Gainas ist, dass Karman das Ergebnis der Handlung von jedem Wesen ist, auch von denen, deren Intellekt oder Bewusstsein nicht entwickelt ist, wie bei den êkêndriyas oder Wesen, die nur ein Sinnesorgan besitzen. Der Widersprechende behauptet aber jedoch, dass nur bewusste Handlungen von intelligenten Wesen Karman hervorbringen. Diese Frage wird in den folgenden Absätzen diskutiert

[7] der Gest, der Verstand, s. auch § 8

[8] D.h. nicht bewusst handelt ob Übles oder Gutes.