Seite XXIII                                                                                                     Jainismus Inhalt gesamte Vorlesung                                                                 Âkârâga Sûtra und Kalpa Sûtra 

9. Ich nehme das Gelübde nicht eine hohes oder breites Bett zu gebrauchen.

10. Ich nehme das Gelübde nicht Gold oder Silber anzunehmen.

Die Buddhisten haben auch acht Gelübde (atthagasîla), von denen die ersten fünf (pankasîla) auf jeden Buddhisten verbindlich sind, während der Rest nur an fromme Laien[1] empfohlen ist:

1. Man sollte nicht Leben zerstören.

2. Man sollte nicht nehmen, was nicht gegeben ist.

3. Man sollte nicht lügen.

4. Man sollte nicht zu einem Trinker von berauschenden Getränken werden.

5. Man sollte davon absehen von rechtswidrigem Geschlechtsverkehr - ein unedle Sache.

6. Man sollte nicht unzeitige Mahlzeit nachts essen.

7. Man sollte nicht Girlanden tragen oder Parfüms verwenden.

8. Man sollte auf einer auf dem Boden ausgebreiteten Matte schlafen.

Die fünf buddhistischen Gelübde stimmen nahezu mit denen des Gaina Asketen überein, nämlich:

1. Nicht Leben zu zerstören (ahim).

2. Nicht zu lügen (sûnrita).

3. Nicht zu nehmen, was nicht gegeben ist (asteya).

4. Sich von Geschlechtsverkehr zu enthalten (brahmakarya).

5. Allen Interessen in weltlichen Dinge zu verzichten, besonders nichts sein eigenes zu nennen (aparigraha).

Das fünfte Gebot der Gainas ist viel umfassender als das entsprechende der Buddhisten, aber auch die anderen Vorschriften sind die gleichen, in einer anderen Reihenfolge, wie Nr. 1-4 von den Buddhisten. Die Übereinstimmung ist in der Tat so auffällig, dass es schwer scheint, den Schluss zu vermeiden, dass eine Sekte ihre Vorschriften von den anderen entlehnte. Doch die Frage, ob die Buddhisten oder die Gainas die Entleiher waren, würde  nach wie vor eine offene bleiben. Es kann jedoch gezeigt werden, dass weder die Buddhisten noch die Gainas in dieser Hinsicht Anspruch auf Originalität haben, sondern dass beide nur die fünf Gelübde der brahmanischen Asketen (samnyâsin) übernommen haben. Die Letzteren müssen die folgenden fünf Gelübde[2] einhalten:

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[1] Rhys Davids, Buddhism, S.139

[2] Baudhâyana II, zu, 18; siehe Bühler's Übersetzung, Sacred Books of the East, vol. XIV, S. 275