Seite XXIV                                                                                                     Jainismus Inhalt gesamte Vorlesung                                                                 Âkârâga Sûtra und Kalpa Sûtra 

1. Enthaltung von Lebewesen zu verletzen.

2. Wahrhaftigkeit.

3. Enthaltung von Eigentum anzueignen von anderen.

4. Mässigkeit.

5. Grosszügigkeit.

Und fünf kleinere Gelübde:

6. Enthaltung von Zorn.

7. Gehorsam gegenüber dem Guru.

8. Vermeidung von Unbedachtheit.

9. Sauberkeit.

10. Reinheit im Essen.

Die ersten vier großen Gelübde der Samnyâsin stimmen mit denen des Gaina Bhikshu überein und sind in der gleichen Reihenfolge. Es ist daher wahrscheinlich, dass die Gainas ihre eigenen Gelübde von den Brahmanen ausgeliehen haben, nicht von den Buddhisten, da letztere die Reihenfolge der Gelübde geändert haben, die Wahrheit entweder zur dritten oder vierten Kardinaltugend versetzten, statt ihr den zweiten Platz zu geben. Außerdem ist es höchst unwahrscheinlich, dass sie die Buddhisten imitiert haben, wenn sie in den Brahmanischen Asketen viel ältere und respektiertere Modelle hatten.

Es lohnt sich anzumerken, dass das fünfte große Gelübde oder Gebot spezifisch für jedes der drei religiösen Systeme ist, wahrscheinlich, weil das brahmanische fünfte Gelübde, nämlich Grosszügigkeit, nicht auf Bettler, wie die Mönche der Buddhisten und Gainas waren, gefordert werden konnte. Die Gainas vor der Zeit Mahâvîra's hatten nur vier große Gelübde, da das vierte im fünften eingebunden wurde. Aber Mahavira hat die Zahl der Gelübde wieder bis auf fünf gebracht, eine Zahl, die als heilig betrachtet worden scheint, da die Buddhisten sie gleichfalls in ihren moralischen Kodex übernommen haben.

Unsere vorgehende Untersuchung legt nahe, wo wir für die Urformen der Mönchsorden der Gainas und Buddhisten zu schauen haben. Der Brahmanische Asket war ihr Modell, von dem sie viele wichtige Ausübungen und Satzungen des asketischen Lebens liehen. Diese Beobachtung ist nicht ganz neu. Professor Max Müller begann bereits in seinen Hibbert Vorlesungen (S. 351), mit einer ähnliche Meinung, wie auch Professor Bühler, in seiner Übersetzung der Baudhâyana Sûtra

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